david chotjewitz

Goethe

goethe / liebe / sample / culture

Welche Bedeutung kann ein klassischer deutscher Autor für Jugendliche - speziell auch für solche mit migrantischem Hintergrund - heute haben? Welche Fantasien entwickeln Jugendliche, ausgehend von den Themen, die den jungen Goethe beschäftigten?  In „goethe / liebe / sample / culture“ erarbeiteten Hamburger Jugendliche szenisches Material aus dem Leben des jungen Goethe.
Dabei entstand ein Theaterstück, das von den Jugendlichen - in klassischem Kostüm, aber mit heutigen, authentischen Frisuren und Schuhen - in einem realen Haus aufgeführt wurde - in einer Villa im noblen Hamburger Westen, an der Elbchausee.

Im Oktober 1775 befindet sich der 26 Jahre alte Johann Wolfgang Goethe - mal wieder - in einer schweren Lebenskrise. Er ist zu diesem Zeitpunkt der Star der deutschen Literaturszene, sein "Werther" ist der erfolgreichste deutsche Roman aller Zeiten. Trotzdem sind Goethes finanzielle Mittel erschöpft. Sein Privatleben ist, nach einer gescheiterten Verlobung, ein Scherbenhaufen. Seine Orientierungslosigkeit drückt sich in der phantastischen Romanze mit einer Frau aus, die er noch nie gesehen hat, von der er nicht einmal den richtigen Namen kennt: Mit Auguste Gräfin zu Stolberg verbindet ihn ein leidenschaftlicher Briefwechsel, in dem er seine innere Situation schonungslos umreißt: "Wenn ich jetzt nicht Dramen schrieb, ich ging zugrund."

Der junge Goethe war kein langweiliger klassischer Gipskopf. Lebenskrisen, ausgelöst durch berufliche Orientierungslosigkeit, verzweifelte Liebesgeschichten und wahnsinnige Eifersucht, führten zu dramatischen inneren Spannungen, die sich in der dichterischen Produktion entluden. Themen, die sich in Leben und Werk des jungen Goethe finden, sind für heutige Jugendliche, vor allem auch mit migrantischem Hintergrund, immer noch interessant.

Kids in Wilhelmsburg oder Osdorf bezeichnen ihre eigenen Stadtteile oft selbst als "Ghetto". Im Frankfurt des 18. Jahrhunderts, in dem Goethe aufwuchs, gab es ein Judenghetto, eingemauert, eng, voller Armut und Schmutz. Goethe war schon als Kind von dieser fremden Welt fasziniert und besuchte die Judengasse, befragte die Menschen über ihre fremden Bräuche. Aber auch noble Stadtteile sind im gewissen Sinne Ghettos. Deshalb setzt dieses Projekt bewusst auf Begegnung.

Entstanden ist ein Theaterabend, mit offenem, eher performanceartigem Ansatz, in dem Gefühle, Geschichten, Bilder und Stimmungen unmittelbar und ohne den Ballast tradierter Theaterformen umgesetzt werden, ebenso authentisch wie innovativ.

 

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