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Stirb Popstar stirb      Zeitungsartikel TAZ Hamburg

Stirb Popstar stirb (Music was my first love)

„Träum nicht. Meine Mutter zog mich weg. Wenn du leben willst, musst du wach sein. Heute glaube ich, ich träume immer. Tags, Nachts. Die Träume sind da, aber wenn wir reden und laufen und denken, dann sehen und hören wir sie nicht.“
                                                                  Melody in der Vorrede zu Stirb Popstar stirb

Seit Jahrzehnten ist Musik das prägende Ausdrucksmittel Jugendlicher. Hip-Hop, Rockmusik, aber auch persönlicher oder kultureller Background (z.B. südamerikanische, afrikanische und asiatische Musiktraditionen) werden als Lebensform begriffen und sind zugleich teil der eigenen körperlichen und seelischen Identität.

David Chotjewitz nahm sich dieser Thematik an und entwickelte, gemeinsam mit Jugendlichen, das Stück „Stirb Popstar stirb“. Es geht um Schicksale junger Menschen, die in Deutschland als Migranten oder aufgrund ihrer Hautfarbe, Fremde sind und vom Ruhm träumen.

Für die Umsetzung des Projektes hat sich eine Gruppe aus 16 Jugendlichen unter der Leitung von David Chotjewitz gebildet. Die Gruppe besteht hauptsächlich aus jungen Deutsch-Afrikanern. Der Charakter dieser Gruppe bietet einen roten Faden für die Handlung an: Es ist die Geschichte einer Clique von Jugendlichen, die als Einwanderer nach Deutschland kommt - ihre Erinnerungen an Krieg, Armut, Vertreibung und Flucht, ihre Erfahrungen in Deutschland, ihre Träume von Ruhm und Karriere. Der Zusammenhalt und die Freundschaft zerbrechen langsam, als eine der jungen Sängerinnen Karriere macht. Bedrückende Fragen stehen im Raum: Wer hat den Song geschrieben, mit dem sie rauskam? Und wieso bricht diese Karriere plötzlich ab und endet im Selbstmord? Im Laufe der Geschichte werden mehrere plausible Versionen vorgestellt.

Entstanden ist ein Musical der anderen Art: Unterhaltsam, mit überraschenden, starken Bildern, einer spannenden Geschichte, dabei nah an authentischen Erfahrungen und getragen von der Spielfreude der jugendlichen Darsteller. Künstlerisch anspruchsvolles, in der Umsetzung auch experimentelles Theater, das ein überwiegend jugendliches Publikum erreicht.

Viele Teilnehmer sind junge Talente, die für sich das klare Ziel formuliert haben, als Sänger, Rapper oder Schauspieler die Bühnenbretter zu erobern. Theater: Playstation versteht sich ausdrücklich als Alternativentwurf zu Inszenierungen wie Superstars. Wir glauben, dass das menschlich-alltägliche durchaus Quelle der Kunst sein kann, sogar soll - aber nur, wenn es wirklich ernst genommen und transformiert, nicht bloß reproduziert wird. Ein selbstverständlicher Bestandteil dieses Prozesses ist es, der künstlerischen Persönlichkeit einen Schutzraum zu gewähren.

Musik zu Stirb Popstar stirb gibt es auf Myspace unter folgendem Link:
myspace.com/behoerdefuerlieblingslieder

 

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